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Investitionsanreize durch stärkere Belastung von Konsum statt Erträgen / Umbau des Sozialsystems
ERSCHIENEN IN DER FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG 46/2000, 24.02.2000, SEITE 18

Von Dr. Joachim Jahn

jja. HEIDELBERG, 23. Februar. Das von dem Heidelberger Finanzwissenschaftler Manfred Rose verfochtene Vorhaben einer "Einfach-" oder "Konsumsteuer" nimmt konkrete Gestalt an. Zum Jahresbeginn hat ein Forschungsprojekt seine Arbeit in der Neckarstadt aufgenommen, mit dem der Heidelberger Universitätsprofessor gleichzeitig das Steuer- und das Sozialsystem reformieren will. Wie Rose am Mittwoch sagte, hat er in den ökonomieprofessoren Bernd Raffelhüschen (Universität Freiburg) und Hans-Georg Petersen (Universität Potsdam) zwei Mitstreiter gefunden, die als Experten für Altersvorsorge gelten. Petersen betreut zudem umfangreiche Simulationsrechnungen, mit denen der "Heidelberger Kreis" um die Alfred-Weber-Gesellschaft die Finanzierbarkeit seines Modells belegen will.
Kooperationspartner seien der renommierte Kölner Steuerrechtler Joachim Lang und der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof, der in demselben Gebäude an einem einheitlichen Steuergesetzbuch arbeitet. Als Sponsoren wurden mehrere Stiftungen gewonnen, hinter denen Dietmar Hopp und Klaus Tschira, Gründer der Software-Schmiede SAP, ferner Götz Werner, geschäftsführender Gesellschafter der Drogeriemarktkette "dm", sowie Manfred Lautenschläger, Gründer des Finanzdienstleisters MLP, stehen.
Rose hält es für einen Kardinalfehler des derzeitigen Abgabenrechts, dass bei Unternehmern und Sparern auch jene Mindestrendite besteuert werde, die lediglich die bloßen Kosten des angelegten Kapitals decke. Damit würden ein und dieselben Erträge im Laufe des Lebens eines Steuerbürgers mehrfach belastet , was zu Abgabenquoten von bis zu 80 Prozent führe und von wachstumsfördernden Investitionen abschrecke. Der Wissenschaftler fordert daher den übergang zu einem dualen System. Sämtliche Erwerbstätigkeiten natürlicher Personen sollen mit einer einheitlichen Einkommensteuer belegt werden, überschüsse von Unternehmen jeglicher Rechtsform mit einer Gewinnsteuer. Die Bemessungsgrundlage der Gewinnsteuer wird um eine "marktübliche Verzinsung des Eigenkapitals" bereinigt. Hinzu kämen allerdings auch weiterhin eine Kommunalsteuer sowie indirekte Abgaben wie die Mehrwertsteuer. Rose verweist darauf, dass Kroatien dieses Modell auf seinen Rat hin im Kern eingeführt habe und mit Erfolg praktiziere.
Zu dem Grundansatz, jedes am Markt erzielte Einkommen in der gesamten Lebensspanne eines Menschen nur einmal zu belasten, gehört auch eine durchgehende Umstellung auf die - derzeit in der politischen Diskussion vielfach geforderte - "nachgelagerte Besteuerung" von Renten, Pensionen und privaten Formen der Altersvorsorge. Beiträge würden dann aus unversteuertem Einkommen gezahlt; dafür müsste auf die Ausschüttungen ein Obolus an den Fiskus entrichtet werden. Der "Heidelberger Kreis" hält dies für den einzig möglichen Weg zur weiteren Finanzierung der sozialen Alterssicherung.
Die Forschergruppe setzt sich zugleich für eine radikale Vereinfachung des Steuerrechts ein. Mit Hilfe von Finanzbeamten sollen Formulare entwickelt werden, auf denen jeder Bürger seine Steuererklärung ohne große Mühen selbst abgeben kann. Durch öffentlichkeitsarbeit wollen die Hochschullehrer in der Bevölkerung für ihr Konzept werben.